Innsbrucker Nachrichten

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1876-07-29

Die freiwillige Feuerwehr von Silz hielt am vergangenen Sonntag, den 23. Juli ihre Fahnenweihe, wozu zahlreiche Gäste aus Nah und Fern erschienen sind. Samstag Abends war Fackelzug, Feuerwerk, bengalische Beleuchtung des Schlosses Petersberg, Eigentum des Grafen Wolkenstein. Auch erglänzte wie mit einem Zauberschlage ein riesiges A als besonderes Zeichen von Liebe und Achtung für die hochverherte Fahnenspenderin und Fahnenmutter Frau Gräfin Amalie von Wolkenstein. Nach dem Rückzuge in das Dorf wurden noch einige Stunden mit dem Gründer der Feuerwehr, Herrn Dr. Wöll, welcher eigens zu diesem Feste von Kaltern kam, in heiterem Kreise verlebt. Sonntag in aller Frühe war Tagreveille, vor der Fahnenweihe festlicher Umzug im Dorfe, zu welchem auch Gäste aus Innsbruck, Telfs und Imst eingetroffen waren. Se. Hochw. Herr Prälat von Stams, der Liebe und Verständnis für das Feuerwehrwesen hat, hielt die Feldmesse, nach welcher die Fahne geweiht und dann vom schmucken Fähnrich in die Reihen der hocherfreuten Kameraden getragen wurde. Die Fahne, in Größe und Form sehr zweckmäßig, ist von roter Seide und mit Gold besetzt; das Fahnenband trägt in schön gestickten Goldbuchstaben auf einem Teil: „Frau Amaie Gräfin Wolkenstein“, am anderen: „der freiwilligen Feuerwehr Silz 1876“. Herr Kommandant Steiner sprach am Kirchplatz in schlichten Worten vor den Versammelten den Dank allen Jenen aus, welch zu diesem Fest beigetragen haben, und besonders an Graf und Gräfin Wolkenstein und an den Herrn Abt von Stams. Nachher bestieg Herr Dr. Wöll die Stufen und ermahnte in begeisterten Worten zusammezuhalten, um dem Institut immer weitere Verbreitung zu verschaffen. Hierauf sprach Herr Graf Wolkenstein, dessen Worte in dem Herzen eines jeden Feuerwehrmannes freudiges Echo fanden, indem der Herr Graf betonte, dass mann die Landes-Assekuranz durch zahlreiche Versicherungen unterstützen soll, und dass selbe mit den Feuerwehren Hand in Hand gehen möge. Schließlich sprach noch der Kommandant der Feuerwehr Innsbrucks, dankte für die gesprochene Anerkennung und brachte schließlich auf die hochgefeierte und so herablassende Fahnenmutter ein „Gut Heil“ aus, in das alle Anwesenden begeistern einstimmten. Hierauf war noch Vorbeimarsch, womit die eigentliche Feier ihr Ende erreicht hatte. Nachher wurden in dem Hause des Kommandanten, welches Jedermann sowohl wegen seiner Stuccaturarbeiten als wegen seines schönen Gartens überraschte, einige Erfrischungen genommen. Mittagstisch war auf der Post, wobei es an verschiedenen Reden nicht fehlte, eine jedoch den Zweck hatte, zwischen den Silzern und Telfsern ein Mißverständnis zu beheben, was auch vollkommen gelang. Nachmittags halb 3 Uhr war Übung der Ortsfeuerwehr, welche mit vielem Verständnisse und noch mehr Waghalsigkeit zur vollen Befriedigung aller Anwesenden ausgeführt wurde und die Belobungen der Bezirkshauptmannschaft vollkommen rechtfertigte. Möge die Silzer Feuerwehr dem Orte sammt Umgebung eine segensreiche Beschützerin sein und bleiben. Nun ging es zum fröhllichen Spiele! Beim Kommandanten war die Verlosung von Spenden, welche von Gönnern gegeben wurden und welche einen Gewinn von 700 fl. abwarf; diese werden zur Vervollständigung der Geräte verwendet werden. Im schönen Obstarten war ein provisorischer Schank errichtet, an welchem Reben- und Gerstensaft verabreicht wurde. Die Gäste befanden sich in fröhlichster Stimmung, als von der Liedertafesl Innsbrucks, welche in Kitzbühel war, ein Telegramm mit herzlichem Gruße ankam, das die Einwohner wie die Gäste freudig überraschte. Wegen der teilweise großen Entfernung mussten die Gäste scheiden, welche von den Silzern ein herzlicher Abschied bereitet wurde. Die Einwohner blieben noch lange in Fröhlichkeit beisammen und wird dieser Tag für alle Zeiten ein Ehrentag der Feuerwehr Silz bleiben.